Start

Seiten

Lexikon

Osteopathie

Medizin

Frauen

Baby

Kinder

Praxis

Anfahrt

Impressum

Osteopathie
Karlsruhe



0721 9742234



Definition

Indikationen

Geschichte

Kontraindikation

Geschichte Osteopathie
Geschichte der Osteopathie

Osteopathie Praxis
im Klinikum Karlsruhe
Klaus Czepan

Gesundheit finden . . . ist ein Weg

Osteopathie
Geschichte der Osteopathie

Die Geschichte der Osteopathie in den USA vom "Osteopath D.O." zum "Osteopathic Physician D.O." der wissenschaftlichen Medizin

Die andere Osteopathie Geschichte in Europa als "Alternativmedizin"

Im Internet findet sich fast nirgendwo die wahre Geschichte der Osteopathie. Ich habe mir erlaubt, das Schweigen zu durchbrechen und die Wahrheit der Osteopathie Geschichte offen zu legen. Dies ist meiner Meinung nach der notwendige Weg, um das Heilverfahren "Osteopathie" von Müll zu entrümpeln und um seine rationalen Verfahrensanteile im klinischen Kontext vernünftig anwenden zu können.

Damit hoffe ich auch die Gesundheitsbehörden unterstützen zu können in ihrer Einschätzung "Der Osteopathie", die es als definierte Einheit geschichtlich bedingt gar nicht mehr gibt.

Osteopathie Geschichte
Osteopathie in Deutschland

Zunächst einmal ist ´Osteopathie´ in Europa keine medizinische Fachrichtung, sondern ein Marketingkonzept der "Alternativmedizin". Im deutschen Gesundheitswesen gibt es keinen Beruf des ´Osteopathen´. Eine solche "Berufsbezeichnung" im Gesundheitswesen ist frei erfunden und eine unlautere Anmaßung. Nach deutschen Gesetzen darf Osteopathie als Heilkunde nur ausgeübt werden von Ärzten und Heilpraktikern.

Osteopathie Geschichte
Osteopathie als Alternativmedizin

Osteopathie in Deutschland ist überwiegend Alternativmedizin. Vermarktet werden dabei von esoterischen Osteopathen die Heilung von Krankheiten durch manuelle Behandlung in der Tradition des manuellen Fundamentalismus aus der amerikanischen Osteopathie Bewegung des 19. Jahrhunderts. Heute ist jedoch jedem professionellen Osteopathen einsichtig: Mit manueller ´Osteopathie´ behandelt man keine Krankheiten oder genetischen Defekte, keine psychischen Störungen, keine "Schrei- und Spuckbabys", keine Verhaltensauffälligkeiten von Kindern und keine "schiefen Köpfe", wie es in der weitverbreiteten pseudowissenschaftlich esoterischen Richtung der Osteopathie oft behauptet wird. ´Osteopathie´ ist zudem kein wissenschaftlich anerkanntes Verfahren, es existieren dafür keine AWMF Leitlinien.

Osteopathie Geschichte
Fundamentaler Unterschied
Osteopathie USA - Europa

In den USA hingegen ist seit den 1940er Jahren ein ´Osteopathic Physician D.O.´ ein normaler Arzt der wissenschaftlichen ´Schul-´ Medizin mit ZUSÄTZLICHER AUSBILDUNG in manueller Therapie. Allein wegen Ihrer gleichwertigen wissenschaftlich medizinischen Ausbildung zum normalen Arzt und nur deshalb sind ´Osteopathic Physician D.O.´ in den USA den ´Medical Doctors M.D.´ faktisch gleichgestellt. Das hier in Europa protegierte Berufsbild eines rein manuell arbeitenden ´Osteopathen´ existiert seither in den USA überhaupt nicht mehr.

Osteopathie Geschichte
USA - Osteopathic Physician D.O.

Das Interesse der ca. 50.000 "Osteopathic Physicians" der USA scheint darin zu bestehen, ihre heutzutage wissenschaftlich medizinische Ausbildung zum normalen Arzt der Schulmedizin auch historisch einwandfrei zu legitimieren. War es doch ein langer interner Kampf der "Osteopathen" der USA, bis die Schulmedizin in dieser Bewegung gesiegt hat. Dieses Interesse an einer Geschichtsglättung beherrscht die offizielle Geschichtsschreibung und die "Biographien" über A.T. Still, den Begründer des Marketingkonzepts "Osteopathy" (Osteopathie).

Osteopathie Geschichte
Osteopathie gegen "Schulmedizin"

Die Geschichte der Osteopathie-Bewegung zeigt, daß die Osteopathie von Beginn an bis ins zwanzigste Jahrhundert hinein noch den Kampf gegen die Schulmedizin proklamiert hat und aus diesem Grunde noch einige Jahrzente des zwanzigsten Jahrhunderts von offizieller Seite der Regierung der USA als Sekte eingestuft wurde. Das Selbstverständnis der heutigen "Osteopathic Physicians", also von Ärzten der wissenschaftlichen "Schulmedizin", kollidiert mit der wahren Geschichte der Osteopathie und ihres Begründers A. T. Still. Mit ihm als Gründer und Aushängeschild der Osteopathiegeschichte hat man einfach keine geschichtlich vorzeigbare, medizinisch "Saubere Weste".

Osteopathie Geschichte
Geschichtsfälschung Märchen Mythen und Legenden

Diesen Konflikt hat man bisher weitgehend so gelöst, daß man sowohl dem Vater A. Still als auch A. T. Still selbst, nach deren Tod dreist ein "M.D.", das "professional degree" der wissenschaftlich medizinischen Ärzte zufabuliert hat. So entstand die dreiste Lüge, die innerhalb und außerhalb der Osteopathie Bewegung als Wahrheit verkauft wird, daß A.T. Still sich angeblich als "Arzt von der Schulmedizin abgewandt hat, als er als Arzt den Tod einiger seiner Kinder nicht habe verhindern können." Ebenso unhistorisch ist die Legende, A.T. Still habe die Osteopathie erfunden durch eine plötzlich Eingebung, als er sich mit dem Kopf auf einer Schaukel liegend selbst behandelt haben soll. Dies sind nicht nur typische "Osteopathie Märchen", sondern interessengeleitete dreiste Geschichtsfälschungen. Die wahre Geschichte der Osteopathie muß erst noch geschrieben werden. Die Widerstände dagegen sind immens.

Osteopathie Geschichte
Osteopathie ist Heilkunde

Das Interesse der verschiedenen Verbände der europäischen Osteopathiebewegung ist nicht einheitlich. So wollen die "Osteopathen" der Länder, in denen es einen Beruf des "Osteopathen" gibt, diesen auf einen "Fachmann" für rein manuelle Behandlung festlegen. Hingegen wollen approbierte Ärzte in Deutschland die "Osteopathie" zusätzlich zu ihrem Beruf ausüben und konkurrieren dabei mit den Heilpraktikern. Beide Berufsgruppen wiederum versuchen die Physiotherapeuten als Klientel zu gewinnen, obwohl diese die Osteopathie als Heilkunde nicht ausüben dürfen.

Osteopathie Geschichte
´Ganzheitliche Osteopathie´
Esoterik der "Alternativmedizin"

Um den eigenständigen Beruf des Osteopathen zu legitimieren braucht man mehr als einen "osteopathischen" Physiotherapeuten für die Behandlung des Bewegungsapparats. Dazu braucht man den "ganzheitlichen Osteopathen". Dieser soll mit seinen Händen ALLE Organe bis ins Zentrum des Körpers hinein "selbsheilen" können, "ganzheitlich", auch bei Erkrankungen. Dabei schreckt man im Eifer des Gefechts nicht davor zurück, selbst die dunkelsten Winkel und Ecken der Metyphysik, Pseudowissenschaft und Esoterik zu bemühen. Anfällig für derlei pseudowissenschaflichen Humbug sind alle Berufsgruppen im Gesundheitswesen. Man ist versucht, dabei an einen kollektiven Wahn zu denken, wie Sigmund Freud ihn beschrieb.

Auch von dieser Seite scheint kein Interesse zu bestehen, den US-amerikanischen Begründer des Marketingkonzepts "Osteopathie" und den Kampf gegen die Schulmedizin so darzustellen, wie er in Wahrheit war. Denn dann müßte man zugeben, daß die "Osteopathie" nichts Originäres ist. Wie wollte man denn noch den "Kampf um den Beruf eines Osteopathen" begründen, wenn man offiziell zugeben müßte, daß die ca 50.000 "Osteopathic Physicians D.O." der USA "schulmedizinische" Ärzte sind und schon lange keine "Osteopathen" mehr?

Osteopathie - Geschichte
A.T. Still, der angebliche "Erfinder" der Osteopathie

Der Begriff "Osteopathy" (Osteopathie) geht zurück auf den US Amerikaner A. T. Still ( 1828 - 1917 ), der im amerikanischen Sezessionskrieg als Lazarettreiniger ( hospital servant ) verpflichtet war. Im Alter wollte er sich eine Rente erschleichen mit der Behauptung, er sei im Bürgerkrieg Chirurg gewesen. Damit hatte er keinen Erfolg, denn die Personallisten der US Army über die eingesetzen Chirurgen wurden zur Zeit des Bürgerkriegs korrekt geführt und archiviert. Nach dem Bürgerkrieg übte er offiziell den Beruf eines "Mechanikers" aus, obwohl er nur einen Kurs in "Mühlenkunde" besucht hatte. Später verdiente er Geld als "Magnetic Healer" ( Handaufleger ). Arzt war er nie gewesen.

1892 erfand A. T. Still den Marketingbegriff "Osteopathy". Dieses ist im Wesentlichen eine mechanistisch freireligiöse Umdeutung eines alten Heilverfahrens, als dessen Erfinder er sich ausgab. Ähnliche Überlegungen und die "osteopathischen" Techniken selbst waren zuvor von anderen veröffentlicht worden. Das Neue daran war, daß er für diese sehr alten europäischen Familientraditionen ein eigenes Unterrichtskonzept entwarf. Wie D. D. Palmer und viele andere in dieser Zeit, gründete A. T. Still eine eigene Heilbewegung, die er sektenmäßig von der Medizin abgrenzte.

Osteopathie Geschichte
Die Stärken von Andrew Taylor Still

Als religiös geprägter Freigeist zur Zeit der ersten industriellen Revolution glaubte A.T. Still vor allem an die Mechanik. Seine starke Seite bestand in seinem unbändigen Glauben an die heilsame Kraft gesunder Körpermechanik. Entsprechend seiner Denkweise war er immerwährend mit der Erfindung und Optimierung von Apparaten und deren Marketing beschäftigt. Diese Passion übertrug er auf seine Sichtweise der Menschen und sah sie als zwar störanfällige Apparate, ansonsten aber als perfektes Werk eines Schöpfergottes. Alle Erkrankungen verstand er in seiner einfachen Logik immer nur als Folge einer gestörten Mechanik des Bewegungsapparates.

Aus heutiger Sicht betrachtet war A.T. Still einer der Pioniere, die der Funktion des Bewegungsapparat und den daran beteiligten Strukturen einen neuen Stellenwert in der Medizin verschafften. A.T. Stills Marketingkonzept für "Osteopathie" ( Osteopathy ) umfaßte relativ zeitnah zum Start seines Unterrichtskonzepts auch den Bau eines eigenen Krankenhauses ( infirmary ) für Osteopathie. Indem A.T. Still sich eine alte europäische manuelle Heilkunde aneignete und vermarktete wurden diese manuellen Techniken nicht vergessen, sondern zum Reimportschlager nach England und ab ca. 1927 nach Deutschland. Dies ist der wahre und unschätzbare Verdienst Andrew Taylor Stills.

Osteopathie - Geschichte
A.T. Still, der angebliche "Arzt"

Osteopathy wurde in den USA noch einige Jahrzehnte nach Beginn des 20ten Jahrhunderst von der US Regierung offiziell als Sekte eingestuft. Offensichtlich um jedwede Diskussion über die sektenmäße Vergangenheit zu unterdrücken wird weiterhin dreist behauptet, A.T. Still sei schulmedizinischer Arzt gewesen und bereits sein Vater A. Still hätte den Titel eines M.D. innegehabt und sei Arzt gewesen.

Reverend A. Still, der Vater von A. T. Still, war ein "Circuit Rider" der Methodisten, ein Wanderprediger, welcher Siedler im Wilden Westen religiös umsorgte. Da er kein Arzt war, konnte er seinen Sohn A. T. Still auch nicht zum Arzt ausbilden, wie die Sektenpropaganda manchmal behauptete. A. T. Still hat niemals eine Ausbildung zum Arzt angefangen, gab aber an, während des Sezessionskrieges als Chirurg tätig gewesen zu sein, um eine entsprechende Pension zu erhalten. Dieses Ansinnen wurde abgelehnt, da er ja niemals eine entsprechende Ausbildung absolviert hatte. Er nannte sich selbst "Dr. A. T. Still", täuschte damit im "Wilden Westen" dreist eine Ausbildung zum Arzt vor und wurde dementsprechend in den Publikationen seiner Anhänger als "old doctor" bezeichnet. Posthum nennen ihn Propagandisten heute fälschlich sogar "A. T. Still M.D." ( Medical Doctor ), obwohl er dieses "professional degree" der Universitäten selbst nie benutzt hatte. In Wahrheit praktizierte er in den 1870er Jahren das "Magnetic Healing", ca. 10 Jahre vor D. D. Palmer, dem Begründer der Chiropraktik.

Osteopathie Geschichte
A.T. Stills Bruder war Arzt

Im Gegensatz dazu hat einer der Brüder von A. T Still, J. M. Still M.D., seine Ausbildung zum Arzt bereits 1864 an einer offiziell staatlich anerkannten Medical School regulär absolviert und dafür das "professional degree" "M.D." erhalten. Dies widerlegt die osteopathische Sektenpropaganda, man habe zu der Zeit allgemein in Amerika keine ordentliche Arztausbildung absolviert und A. T. Still habe sich als "Arzt enttäuscht von der Medizin abgewandt." Stattdessen war es so, daß A. T. Still sein Geld als Magnetic Healer ( Handaufleger ) verdiente und später manuelle Behandlungstechniken vermarktete, welche bereits in diversen medizinischen Fachpublikationen unterrichtet wurden.

Osteopathie Geschichte
Der wahre A.T. Still war "Magnetic Healer" und "Lightning Bone-Setter"

Sowohl A. T. Still, der Erfinder des Namens "Osteopathy", als auch der Begründer der Chiropraktik, D. D. Palmer lebten zur gleichen Zeit und nicht weit voneinander entfernt. Sie waren beide keine Ärzte, sondern "Magnetic Healer" ( Handaufleger ) und hatten dies vermutlich beide bei einem bekannten Heiler in ihrer Nähe gelernt, der zu dieser Zeit bereits ein Krankenhaus für "Magnetic Healing" betrieb. Dies war ein Anreiz, geschäftlich auf diesen Zug aufzuspringen und es ihm gleich zu tun. Das bessere Marketing sollte über die Zukunft entscheiden.

Das Datum 1874, welches oft als Gründungsdatum der Osteopathie angegeben wird, ist falsch. In diesem Jahr war der "Mechaniker" A. T. Still allerdings am Patent auf eine Butterherstellungsmaschine beteiligt. Um diese Zeit herum erlernte er auch das "Magnetic Healing" (Handauflegen), eine der weitverbreitetsten Modetherapien der damaligen Zeit in den USA. Später nannte er sich "Lightning Bone-Setter".

Der unbestrittene Verdienst von A.T. Still und D. D. Palmer lag in der Sammlung alter manueller Behandlungstechniken und in der Erarbeitung jeweils eigener Unterrichtskonzepte. Sie bildeten so jeweils eigene Gefolgschaften aus, die sich bis heute nicht vertragen.

Osteopathie - Geschichte
Mechanischer Gott - A.T. Still, der angebliche "Philosoph"

Osteopathie und Chiropraktik waren in den USA bei ihrer Gründung fundamental freireligiös motivierte Medizinsekten. "D.O." als "Doctor of Osteopathy" war eine selbst erfundene Titelbezeichnung im Bereich dieser Sekten, ebenso wie der D.C. als "Doctor of Chiropractic". Man glaubte damit, zu Beginn des 20ten Jahrhunderts, mit dem ärztlichen Abschluß M.D. an den Universitäten konkurrieren zu können. Dazu wurde auch die Stundenzahl des Unterrichts an den "Osteopathy" Schulen auf die der universitären Arztausbildung zum M.D. angehoben.

A.T. Still und D.D. Palmer versahen ihre Marketingprojekte mit einer fundamental freireligiösen Ideologie, mit der sie die universale Gültigkeit manueller Behandlung zur Heilung aller Krankheiten begründeten, auch die aller inneren Organe. Die innere Gabe von Medikamenten lehnten beide kategorisch ab, egal um welche Erkrankung es sich handelte. In diesem Punkt waren sich beide ausnahmsweise einig.

Die Ablehnung der medizinischen Medikation war der Konsens in allen nichtmedizinischen Heilverfahren in Europa und Amerika zu dieser Zeit. Dieser bornierte Glauben an eine unbegrenzte Wirkung rein physikalischer Methoden beeinflußte auch auch die Medizin und war Ausdruck der gesellschaftlichen Euphorie und der Hoffnung auf Erlösung durch die neuen Kräfte der physikalischen, mechanisch, hydraulisch, industriellen Revolution, Erlösung durch Dampfmaschinen, Kinematographen, Luftschiffe und den Eifelturm. Der ehemals spirituelle Gott mußte somit zum perfekten Mechaniker konvertieren. Dies ist das Credo des manuellen Fundamentalismus.

Die Loge - Die heimliche Osteopathie Geschichte

Die Inspiration zu seinen mechanistisch religiösen Hypothesen der angeblichen Wirkungsweise der von ihm gesammmelten manuellen Techniken erhielt A.T. Still aus der Ideologie einer Sekte, der er sich sechs Wochen nach dem Tod seines Vaters anschloß. Die Mitgliedschaft dort erhielt er per Abstimmung der Mitglieder. Mit nur einer Stimme Mehrheit wurde er akzeptiert, man traute ihm wohl nicht so recht über den Weg. Diese Sekte baute später auch ansehnliche Tempel im Geburtsort der "Osteopathy". A.T. Stills Söhne waren in ihr auch sehr aktiv.

Diese fundamental religöse Sekte aus der Zeit der Aufklärung und ihre Ideologie war vor allem auch in Nordamerika weit verbreitet und wurde im amerikanischen Bürgerkrieg vom Präsident der Nordstaaten protegiert. So genossen auf seine Anweisung hin Gefangene der Südstaaten Privilegien, die dieser fundamental religiösen Bewegung angehörten. Der Schöpfer gilt darin als der perfekte Mechaniker.

Spiritismus - Die unerwünschte Geschichte der Osteopathie

Im Zeichen des Aufbruchs in eine "Neue Gesellschaft" vor und nach dem amerikanischen Bürgerkrieg wollten viele US Amerikaner einen "Neuen Menschen" formen. Direkter Kontakt zum Jenseits und Charakterbildung waren wichtig. In diesem Zusammenhang gewannen auch spiritistische Bewegungen an Boden. Mittels Tischrücken und Séancen nahmen beträchtliche Teile des "aufgeklärten" Bürgertums Kontakt zum Jenseits auf, um sich von den Geistern der Pharaonen, eingebildeten Engeln und anderem Hirngespinnst unter anderem auch literarische Eingebungen zuflüstern zu lassen. Auch A.T. Still ließ sich beim Schreiben seiner Bücher und der Kapitelaufteilung auf derartige Art und Weise "inspirieren".

Osteopathie Geschichte
Hysteriebehandlung - Geschichte der viszeralen Osteopathie

Die in Europa angewandte manuelle Behandlung innerer Organe stammt aus der Tradition der Hysteriebehandlung des 19. Jahrhunderts. Diese Techniken wurden von der Osteopathie erst sehr viel später übernommen. Man findet diese, teils gefährlichen Techniken zur angeblichen "Behandlung innerer Organe", heute wieder in der "Alternativ" - Osteopathie. Diese Techniken hatte man in Europa schon lange wieder begraben wegen ihrer Sinnlosigkeit, bis sie geschäftstüchtige französische Osteopathen wieder ausgegraben und vermarktet haben, diesmal als "viszerale Osteopathie". Die neue Variante dieser "Techniken" hat sich der Welle des "Soft-Touch" (Handauflegen) verschrieben. Aufgrund des Risikos der Verursachung innerer Verletzungen mit den "direkten", massiven Druck- und Schiebe-Techniken vermute ich schwere Zwischenfälle als Ursache des Gesinnungswandels weg von den "direkten Techniken" hin zum "Soft Touch".

Charakterformung
Beulenkunde am Schädel
Kraniale Osteopathie Geschichte

In weiten Teilen der Medizin des 19. Jahrhunderts und vor allem auch der bürgerlichen Gesellschaft der USA herrschte die Meinung vor, daß ein ausgeglichener Charakter mit guten Begabungen von einer symmetrischen Hirnform abhänge, die sich ebenso in einer einwandfrei symmetrisch runden Kopfform zeige. Konsequenterweise war Charakterformung also auch mechanische Kopfformgestaltung. Derartige Herstellung charakterlicher Ausgeglichenheit durch einen einwandfrei runden Kopf begeistert auch heute wieder ein breites Publikum.

Die Osteopathie bot dazu eine Kompressions-, Schiebe- oder Zugbehandlung, die auch am Kopf ausgeführt wurde. Dazu waren teils mehrere "Osteopathen" gleichzeitig am Ziehen und Drücken. Seit den 1980er Jahren wurden diese Techniken durch "Soft Touch" (Handauflegen) ersetzt. Dies ist heute in allen Varianten der "kraniosacralen Osteopathie" oder "craniosacralen Therapie" die übliche Vorgehensweise.

Osteopathie Geschichte
Die esoterische Kopfbehandlung

Vom seit ca. 1980 am Kopf angewandten "Soft Touch" unterschieden werden muß die ursprüngliche manuelle osteopathische Behandlung, welche meist mit Druck oder Zug auf dem Gewebe arbeitet. Diese schon sehr früh von der Osteopathie aufgegriffene "direkte" Schiebe- und Drucktechnik am Kopf bezeichnete man später als "Osteopathie im Kopfbereich" ( engl. Osteopathy in the Cranial Field ).

Es herrscht hier in entsprechenden esoterisch pseudowissenschaftlich orientierten Kreisen die Ansicht, daß man diese Techniken zur Heilung von organischen und psychischen Krankheiten, Verhaltensauffälligkeiten und genetischen Defekten einsetzen könne. Vieles erinnert da an die USA im 19. Jahrhundert. Ich empfehle in diesem Zusammenhang die Lektüre der Stellungnahme zur Kraniosakraltherapie und zum Kiss-Syndrom der Gesellschaft für Neuropädiatrie und die Kenntnisnahme des aktuellen Standes der Naturwissenschaften.

Osteopathie Geschichte
Die Stärken der Kraniosacralen Osteopathie

Die Stärken der Vorgehensweise der esoterikfreien kraniosacralen Osteopathie liegt in der Lösung von funktionellen Einschränkungen des Bewegungsappartes. Dies erfolgt durch einen Verlauf der Behandlungsstunde nach den Prinzipien einer guten eigenverantwortlichen Gesundheitsförderung auch unter Nutzung von Trancephänomenen und Placebowirkungen, da die Freisetzung und Nutzung des Potentials des Patienten im Vordergrund steht. Dies bezieht sich auf die Integration aller Körperregionen, nicht nur des Kopfes.

Kraniosacrale Osteopathie erfordert dabei eine bedachte Umgangsform und einen individuellen Behandlungsaufbau, bei dem sich Behandler und Klient auf Augenhöhe begegnen. Beide gehen nach einer guten Begegnung mit mehr Kraft, Erfahrung und Klarheit zurück in ihr Leben. Der Kern dieser Vorgehensweise liegt also nicht in den Techniken, sondern in der speziellen Vorgehensweise. Es werden sowohl starke Drücke, sanfte Balancetechniken, als auch Manipulationen angewandt, also das gesamte Spektrum der manuellen Medizin. Der Unterschied besteht in der Art der körperlichen und nicht-körperlichen Kommunikation zwischen Klient und Behandelndem im Sinne der Gesundheitsförderung.

Osteopathie Geschichte
Die Stärken von William Garner Sutherland

William Garner Sutherland wurde von Andrew Taylor Still in Osteopathie ausgebildet. Er beschäftigte sich vor allem mit den Möglichkeiten der Erreichung einer möglichst neutralen Position des Bewegungsapparates, von der aus dieser sich mit möglichst wenig Kraftaufwand in alle Richtungen bewegen kann. Behandlungsprinzipien und Techniken waren nicht neu, sondern stammen aus traditionellen europäischen Heilverfahren. Dieser traditionelle Behandlungsaufbau umfaßte neutrale Positionierung, lokalen Druck und den Einsatz der Atmung.

Diese Prinzipien übertrug Sutherland auch auf sein Modell einer mechanisch gedachten Bewegung aller Schädelknochen zueinander und versuchte für alle Teile des Gehirn- und Gesichtsschädels durch Anwendung seiner manuellen Behandlungsprinzipien einen möglichst optimalen funktionellen Neutralpunkt zu erreichen. Dabei dachte er sich die Gesamtbewegung aller Teile von Innen her verursacht, also vom Inhalt des Gehirnschädels ausgehend als einer Art "Innerer Atmung". Diese Hypothese ist pseudowissenschaftlich und unhaltbar. Eine minütlich permanent rhythmisch von innen her durch Gehirn und Hirnwasser erfolgende Veränderung der Schädelform ist Unsinn.

Während der Zeit des Körperwachstums wirken permanente innere und diverse äußere Kräfte von Nahrungsaufnahme, Lagerung und Körperbewegung bei der Bildung der Schädelform zusammen. Der Kopf ist nur eine der komplexen Integrationseinheiten zwischen dem globalen, gesamten Halte- und Bewegungsapparat und allen Organfunktionen, nicht nur den regional nahen Funktionen wie Kopfbewegung, Atmen, Kauen, Schlucken, Lautbildung, Sehen, Hören, Riechen; Schmecken usw. Er ist im wahrsten Sinne "das Ende der Fahnenstange", das "oberste Stockwerk" und ohne Einbeziehung des gesamten Hauses in die Überlegungen funktionell nicht vorstellbar.

William Garner Sutherlands einzigartiger Verdienst für die manuelle Medizin liegt in der Beschäftigung mit der Wirkungsweise und den therapeutischen Möglichkeiten einer optimalen funktionellen Mitte des gesamten, des regionalen und des lokalen Bewegungsapparates unter Einbeziehung des Kopfes. Für ihn war das Erreichen einer optimalen individuellen, globalen, regionalen und lokalen funktionellen Mitte der Schlüssel zum Behandlungserfolg. Damit erreichte er es, daß eine alte europäische Heiltradition nicht in Vergessenheit geriet.

Leider wird W.G. Sutherland meist nur mit den Hypothesen einer autonomen pulsierenden Gehirnbewegung in Verbindung gebracht. Diese Hypothesen werden zumeist noch mit esoterischen Hypothesen aus der "Carniosacralen Therapie" garniert wie z.B. der Hypothese einer "permanenten embryologischen Rotation aller Gehirnteile". Dazu beschäftigt sich die esoterische Osteopathie Richtung ausführlich mit den Entwicklungsbewegungen des Kindes im Mutterleib. Für eine vernüftige, rationale manuelle Behandlung ist das aber völlig irrelevant.

Osteopathie Geschichte
W.G. Sutherland, der angebliche "Erfinder" der Kopfbehandlung

Die Idee einer Kopfbehandlung stammt aus der Schweiz. Die Behandlung von Schädelnähten stammt urprünglich von einem amerikanischen Chiropraktiker. Er praktizierte dies lange vor der Osteopathie. Die Chiropraktische Bewegung wollte aber davon nichts wissen und stürzte sich auf die Behandlung des ersten Halswirbels, des "Atlas". Sie erkannte aber in den 1970er Jahren den Unsinn dieser Vorgehensweise.

Die mechanisch hydraulischen Hypothesen zur Kopfbehandlung erfand der amerikanische Osteopath W.G. Sutherland. Behandelt wurde mit teils starkem Druck oder Zug auf dem Kopf und nicht mit "Soft Touch" (Handauflegen). In dieser Tradition standen seine Schüler, allesamt "Osteopathic Physicians" ( U.S. amerikanische Ärzte, die an "Osteopathic Colleges" ausgebildet wurden ) R. Becker, R. Fulford, A. Wales.

Laut R. Brooks M.D., einer Schülerin von R. Becker und Herausgeberin seiner Schriften, griff R. Becker nicht nur auf die Hypothesen Sutherlands zurück, sondern auch auf eine esoterische Pseudophysik des Lichts. Die handschriftlichen Notationen finden sich in seinen Originalunterlagen.

So ist es auch kein Wunder, daß die Pseudophysik des Lichts heute in der esoterischen Richtung der Osteopathie eine zentrale Rolle spielt, ist sie doch die konsequente Weiterführung der Gedankengänge R. Beckers. So ergibt sich ein Wettlauf zwischen der pseudowissenschaftlichen Begründung "der Osteopathie", der Craniosacralen Therapie und Strömungen der Chiropraktik, wer die bessere "Quantenheilung" vollzieht. Diese Art manueller Fundamentalismus ist das trojanische Pferd der Pseudowissenschaft in der manuellen Medizin. All dies ähnelt meiner Meinung nach einem kollektiven Wahn, wie Sigmund Freud ihn bereits beschrieben hat.

Osteopathie Geschichte
Biodynamische Osteopathie - Trance und Wellness Markting

Im Unterschied zu den ursprünglich auch von W. G. Sutherland angewandten Kompressions- und Zugtechniken, die auch von A. Wales, R. Fulford und R. Becker bis zur Beendigung ihrer praktischen Tätigkeiten ausschließlich so ausgeübt wurden, nennt man die seit Mitte der 1980er Jahre eher passiv, bzw. mit minimaler Intervention ausgeführten, sanften manuellen Trancetechniken, heute "Kraniale Osteopathie" oder "Biodynamische Osteopathie". Man unterrichtet den sogenannte "Soft Touch" in Konkurrenz zur neu in den 1970er Jahren entstandenen "Craniosacralen Therapie". Sie unterscheiden sich nur in Nuancen. Auch Chiropraktoren zogen im Marketing nach mit "Biodynamischer Quantenheilung".

Dieser sogenannte "Soft Touch" kann zu einer Art Hypnose bzw. Trance mittels Berührung führen, trotz anderslautender hypothetischer Erklärungsmodelle dieser Methode. Man begleitet den Klienten dabei auf die für ihn mögliche "tiefste" Ebene der stillen inneren Wahrnehmung und des in sich Ruhens. Gleichzeitig ensteht ein für dieses Erleben typisches fokussiertes Selbstempfinden. Die Assoziationshilfen während der Ausbildung der Therapeuten in Cranialer Osteopathie / Kranialer Osteopathie schwanken je nach Zeitgeist zwischen religiös spirituellen, pseudowissenschaftlichen oder wissenschaftlichen Hypothesen.

Der seit den 1980er Jahren Einzug haltende, sogenannte "Soft Touch" ist kein Widerspruch zur Behandlung mittels Kompression, Zug, Druck und Bewegung während eines Behandlungsablaufs. Wird er nur als alleinige Technik zugelassen, dann entspricht dieses Vorgehen dem Satz Mark Twains: "Wenn man nur einen Hammer hat, dann ist jedes Problem ein Nagel." Die sogenannte "Sanfte Berührung" paßt sehr gut in das Marketingkonzept einer Wellness Behandlung in schöner Umgebung mit Wohlfühleffekt in berührungsfeindlicher Zeit. Diese "sanfte", esoterische Variante der Osteopathie knüpft damit wieder an die manuelle Hysteriebehandlung des 19. Jahrhunderts an.

Osteopathie Geschichte
Vom Saulus zum Paulus - Osteopathie und ihr Kampf gegen die Medizin

Die beiden Sekten Osteopathie und Chiropraktik behaupteten, alle Krankheiten mit ihrer "einzig wahren" manuellen Methode heilen zu können. Ähnlich wie beim Jesus-Marketing mancher Pfingstkirchen, sollte dies nur mit den Händen und ohne Einnahme von Medikamenten möglich sein. So wurde das Auftreten von A. T Still in manchen Artikeln der damaligen Zeit mit der heilenden Tätigkeit von Jesus verglichen.

Nach Meinung der Sektengründer A. T. Still und D. D. Palmer sollten also alle Krankheiten wie z.B. Tuberkulose, Cholera, Tumore, Herz- und Kreislauferkrankungen usw. nur durch ihre manuelle Behandlung und ergänzende äußere Anwendung von chemische Präparaten geheilt werden. Solcherlei "Anwendungsbereiche" galten bereits in der europäischen manuellen Heilkunde in der damaligen Zeit.

Die Chiropraktik wollte dieses Ziel einer rein manuellen Heilwirkung durch die "Korrektur von verschobenen Wirbeln" mittels manuellem Impuls, die Osteopathie durch die Anwendung manueller Hebel-, Dreh- und Drucktechniken erreichen. Ausgenommen von diesem allumfassenden Heilungsanspruch aller Krankheiten durch manuelle Behandlung waren nur chirurgische Indikationen. Als Teil ihres Kampfes gegen die Medizin wurde von den Sektengründern D. D. Palmer ( Chiropraktik ) und A. T. Still ( Osteopathie ) jegliche innere Anwendung von Arzneien vehement abgelehnt.

Die Entwicklung der Osteopathy in den USA erfolgte schon sehr bald weg von diesem Unfug und hin zur wissenschaftlichen Medizin. So wurden unter dem Einfluß von wissenschaftlich ausgebildeten Einwanderern aus England die Lehrpläne der von A.T. Still gegründeten Schule "ASO" zunehmend dem Curriculum der wissenschaftlich medizinischen Ausbildung der Universitäten angepaßt. Die gesamte osteopathische Bewegung wandte sich schon im Übergang vom 19ten zum 20ten Jahrhundert zunehmend der wissenschaftlichen Medizin zu, sehr zum Ärger von A.T. Still, der zunehmend an Einfluß in der osteopathischen Bewegung verlor. Bereits 1899 forderten die führenden Köpfe der Osteopathie die Einführung eines M.D. (osteopathy school). Diese Entwicklung wurde durch die staatlichen Vorgaben des Flexner Reports von 1910 unumkehrbar. Der Einsatz von Medikamenten wurde ab 1911 unterrichtet. Die wissenschaftliche Medizin hatte gesiegt.

Osteopathie Geschichte
Osteopathic Physician in den USA - nur der Name ist geblieben

Ideologie und Praxis der Medizin - Sekten änderten sich in den USA mit der Reform der Hochschulstudiengänge entsprechend den Vorgaben der 1906 vom Congress eingesetzten "The Carnegie Foundation for the Advancement of Teaching" und ihrem Bericht "Medical Education in the United States and Canada Bulletin Number Four (The Flexner Report) (1910)" allmählich hin zur "Schulmedizin". Die offizielle staatliche Einschätzung der "Osteopathy" als Sekte wurde kurz vor dem zweiten Weltkrieg durch diese Entwicklung hin zur Schulmedizin revidiert.

Die moderne "Osteopathy" in den USA ist eine rein "schulmedizinische" Ausbildung zum Arzt der "Schulmedizin". Zusätzlich wird während dieses Studiums der Fachbereich "Osteopathisch manuelle Behandlung" mit bis zu 380 Stunden traditionell unterrichtet. Der Abschluß "D.O." ist, wie der universitäre "M.D.", ein "professional degree". Dies ist kein Doktortitel, sondern entspricht in etwa dem deutschen Staatsexamen bei Abschluß des Medizinstudiums. Die Berufsbezeichnung lautet nicht mehr "Osteopath", sondern "Osteopathic Physician".

Ein "Osteopathic Physician D.O." ist heute ein normaler Arzt der Medizin, nur mit dem Unterschied, daß er sein Studium der "Schulmedizin" an einem "Osteopathy College" absolviert hat. Diese Colleges sind teilweise an Universitäten angeschlossen. Seit der Neuausrichtung der Studiengänge in den USA vor und nach dem zweiten Weltkrieg entsprechen die Fächer und Inhalte dieses Medizinstudiums denen der Ausbildung an den medizinischen Fakultäten der Universitäten. Zusätzlich wird an den Osteopathy Colleges der traditionelle Fachbereich "manuelle osteopathische Behandlung" ( Osteopathic Manipulative Treatment - OMT ) unterrichtet. Es praktizieren in den USA ca. 50.000 Ärzte als "Osteopathic Physician D.O". Nur wenige davon behandeln ihre Patienten noch manuell, einige tun es noch gelegentlich.

Osteopathie Geschichte
Osteopathie Europa - Auferstehung des manuellen Fundamentalismus

Deshalb munkelt manch einer der esoterisch pseudowissenschaftlichen europäischen "Osteopathen" hinter vorgehaltener Hand, daß die amerikanischen Osteopathen ja gar keine "Osteopathen" mehr seien. Ich bin da natürlich nicht dieser Meinung und empfehlen, sich mutig und aufrichtig mit den esoterisch pseudowissenschaftlichen Inhalten hierzulande auseinanderzusetzen.

Im Gegenzug benennen die amerikanischen "Osteopathic Physicians D.O." die europäischen "Osteopathen" etwas herablassend und doppeldeutig als "European Osteopathic Manipulators", ( "Europäische osteopathische Manipulatoren" ), was im doppeldeutigen Sinn auch "Strippenzieher" oder "Fälscher" bedeuten kann. Kennt man das jahrzehntelange und bis heute andauernde Hickhack der deutschen "Osteopathie Verbände" untereinander, dann hat diese zweite Bedeutung auch einen Funken Wahrheit.

Ein "D.O." ist heute in den USA ein professional degree. Dies ist der Titel einer schulmedizinischen Ärztausbildung auf College Niveau und kein universitärer Doktortitel. Dieser US Abschluß entspricht in etwa dem Abschluß mit Staatsexamen in wissenschaftlicher Medizin in Deutschland. In Deutschland wird die gleichlautende Bezeichnung "D.O." aber als Wortmarke bzw. Marketing allein für die Ausbildung im Fachbereich "manuelle osteopathische Behandlung" ( Osteopathic Manipulative Treatment - OMT ) verwendet. Diese Marketing - Bezeichnung im Bereich der "Alternativmedizin" hat mit einer Ausbildung zu einem Arzt der Schulmedizin, wie sie in den USA erfolgt, nichts zu tun und hat auch keine hochschulrechtliche Relevanz. Vertreter der deutschen "Alternativ" - Osteopathie bezeichnet man in den USA deshalb auch als "European Osteopathic Manipulators" und nicht als "Osteopathic Physicians".

Osteopathie Geschichte
Es gibt keinen Beruf eines Osteopathen im Gesundheitswesen

Im Unterschied zur modernen, schulmedizinischen Ausbildung zu einem normalen Arzt der Schulmedizin an den Osteopathie Colleges in den USA wird in Deutschland an den Osteopathie - Schulen nur der Fachbereich "Manuelle Osteopathische Behandlung" für bereits vorhandene Berufsgruppen im Gesundheitswesen auf privater Basis unterrichtet. Im Unterschied zur modernen manuellen Medizin werden auch pseudowissenschaftliche Erklärungsmodelle über die Wirkungseise manueller Behandlung unterrichtet.

Insbesondere der Untericht für die manuellen osteopathischen Techniken in den Bereichen "osteopathische Behandlung innerer Organe" und "Osteopathie im Schädel-Kreuzbein-Bereich" ( Kraniosacrale Techniken ) erfolgt an den Osteopathie Schulen in Deutschland auf der Grundlage pseudowissenschaftlich esoterischer Hypothesen. Die Vertreter der deutschen "Alternativ" - Osteopathie bezeichnet man in den USA deshalb auch als "European Osteopathic Manipulators".

In Deutschland regelt das Heilpraktiker Gesetz (HeilprG) von 1939 die Berufsbezeichnung Heilpraktiker. Osteopathie ist eine Heilkunde und darf als solche nach deutscher Rechtslage ausschließlich ausgeübt werden von Ärzten und Heilpraktikern. Im deutschen Gesundheitswesen gibt es keinen eigenständigen Beruf des "Osteopathen" / "Kinderosteopathen". Entsprechende Titulierungen als eigenständiger Beruf im Gesundheitswesen sind unlauter und können abgemahnt werden.

Physiotherapeuten, Masseure und Medizinische Bademeister sind nicht vollumfänglich zur Diagnose berechtigt und dürfen in Deutschland die Heilkunde "Osteopathie" nur in den Bereichen ausüben, die dem Spektrum ihrer eigentlichen Berufsausbildung als Physiotherapeut, Masseur oder Medizinischer Bademeister entsprechen. Zudem dürfen sie nur auf Rezept hin diese Teile der Heilkunde "Osteopathie" ausüben. Es existiert aber in einigen Bundesländern die Möglichkeit, eine eingeschränkte Erlaubnis zur selbständigen Ausübung der Heilkunde für den Bereich der Physiotherapie zu beantragen. Nach bestandener Überprüfung beim einem Gesundheitsamt darf dann die Physiotherapie auch ohne Verordnung ausgeübt werden. Die Ausübung der Osteopathie ist aber auch dann nur in den Bereichen zulässig, die durch die Grundausbildung zum Physiotherapeuten abgedeckt sind.

Osteopathie Geschichte
Weiterbildung "Osteopath" - Rechtslage in Hessen

Im Bundesland Hessen gibt es eine Verordnung des "Hessischen Sozialministeriums", bzw. des "Hessischen Ministeriums für Soziales und Integration", zum Thema einer Weiterbildung in Osteopathie. Diese lautet: "Weiterbildungs- und Prüfungsordnung Osteopathie". Sie erlaubt ausschließlich in Hessen das Führen einer Weiterbildungsbezeichnung "Osteopathin/Osteopath", welche ZUSÄTZLICH zu der Berufsbezeichnung Heilpraktiker, Physiotherapeut, Masseur oder Medizinischer Bademeister geführt werden darf (Ärzte sind darin nicht genannt.). Auf der Webseite des Regierungspräsidiums Darmstadt wird dazu explizit angemerkt: "An den rechtlichen Voraussetzungen, die Osteopathie ausüben zu dürfen, hat sich nichts geändert. Die Osteopathie darf in Deutschland als Heilkunde nach wie vor nur von Heilpraktikern oder Ärzten eigenständig ausgeübt werden". Eine eigenständige und alleinige Berufsbezeichnung "Osteopath" im Gesundheitswesen ist damit also auch in Hessen ausdrücklich nicht verbunden.

Osteopathie Geschichte
Rechtslage in Nordrhein - Westfahlen und in anderen Bundesländern

Ein ähnliche Gesetzeslage ist gültig für das Bundesland Nordrhein-Westfalen. Dort gibt es die Sonderregelung der Erteilung einer eingeschränkten Heilpraktikererlaubnis im Bereich Physiotherapie. Das Gesundheitsamt der Landeshauptstadt Düsseldorf vermerkt dazu: "4.5. ....Die Berücksichtigung einer erfolgreich abgeschlossenen Aus- oder Weiterbildung im Bereich der Osteopathie für die Erteilung einer Heilpraktikererlaubnis im Bereich der Physiotherapie berechtigt nicht zur Durchführung selbständiger und eigenverantwortlicher Osteopathie. Hierfür ist weiterhin die allgemeine Heilpraktikererlaubnis erforderlich."

Nach einem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts von 809 haben sich alle Bundesländer geeinigt, eine eingeschränkte Erlaubnis zur selbständigen Ausübung der Heilkunde ohne Bestallung im Bereich Physiotherapie einführen. Diese Verfahren sind aber von Bundesland zu Bundesland ebenso unterschiedlich, wie es auch die Überprüfung zum allgemeinen Heilpraktiker immer schon war. Einzelne Bundesländer (siehe zuvor: Nordrhein-Wetsfalen) erkennen auch Ausbildungen in Osteopathie als Weiterbildungsnachweise für die Erteilung dieser speziellen Erlaubnis im Bereich der Physiotherapie an. Es gilt jedoch bundesweit die bereits oben zitierte Aussage des Landratsamts / Gesundheitsamts Düsseldorf: "Die Berücksichtigung einer erfolgreich abgeschlossenen Aus- oder Weiterbildung im Bereich der Osteopathie für die Erteilung einer Heilpraktikererlaubnis im Bereich der Physiotherapie berechtigt nicht zur Durchführung selbständiger und eigenverantwortlicher Osteopathie. Hierfür ist weiterhin die allgemeine Heilpraktikererlaubnis erforderlich."

Osteopathie Geschichte
Die wahre Ausbildungszeit für "Osteopathen" in Deutschland

Die angeblich "vier- oder fünfjährige" Ausbildungszeit in Osteopathie an Privatschulen in Deutschland ist zumeist eine Irreführung des Verbrauchers, denn sehr oft handelt sich dabei um berufsbegleitenden Unterricht von ca. 180 bis 1400 Zeitstunden ( a 60 Min. ), verteilt auf 5 Jahre oder ca. 1013 Stunden in 4 Jahren. Rechnet man diese Ausbildungszeit um, so entspricht sie nur einer ca. 1/2 bis 3/4 jährigen Ausbildung bei tariflich normaler Wochenarbeitszeit gerechnet. Für die Behauptung einer solch "fünfjährigen Osteopathieausbildung" gilt daher: "Mehr Schein als Sein". Bei den Anbietern von Osteopathie, welche mit einer "5-jährigen Ausbildung in Osteopathie" werben, empfehle ich allen hilfesuchenden Patienten, vorab nachzufragen, um wie viele Ausbildungsstunden es sich bei dieser "5-jährigen Ausbildung in Osteopathie" tatsächlich gehandelt hat.

Osteopathie Geschichte
Osteopath - ein Beruf im Schweizer Gesundheitswesen

In der Schweiz benötigen Osteopathen eine Berufsausübungsbewilligung als Osteopath / -in entsprechend den Gesetzen der Kantone (Schweiz). Osteopath war bisher in einigen Kantonen als Beruf zugelassen. Er war dort aber kein Heilberuf wie der Arzt, "Naturarzt" bzw. der Heilpraktiker, sondern ein Heilhilfsberuf, der ausschließlich im Bereich funktioneller akuter oder chronischer Beschwerden arbeitet. Mit der Einführung der Interkantonalen Prüfung für Osteopathinnen und Osteopathen 2008 sind Osteopathen in der Gesamtschweiz auch in der Erstversorgung von Patienten zugelassen. Kantonale Berufsausübungsbewilligungen als Osteopath / Osteopathin bleiben weiterhin gültig.

Neben den Gesetzen der einzelnen Kantone zur Berufsausübungsbewilligung als Osteopath oder Osteopathien gibt es die Verordnung der SDK (Schweizerische Sanitätsdirektorenkonferenz) über die Anerkennung kantonaler Ausbildungsabschlüsse im Gesundheitswesen in der Schweiz, wozu auch der von der Schweizerischen Sanitätsdirektorenkonferenz reglementierte Ausbildungsgang zum Beruf "Osteopathin/Osteopath mit interkantonalem Diplom" gehört. Seit 2012 müssen alle Anwärter auf in interkantonales Diplom nach einer vorausgehenden zweijährigen Praktikumszeit bei einem zugelassenen Osteopathen eine theoretische und praktische Prüfung vor diesem Prüfungsausschuß absolvieren. Jeder Kanton kann jedoch davon unberührt weiterhin eigene Berufsausübungsbewilligungen erteilen.

Die seit dem 1. Januar 2007 mögliche, in der ganzen Schweiz gültige Anerkennung als "Osteopathin / Osteopath mit interkantonalem Diplom" erfolgt nach erfolgreicher Absolvierung einer Prüfung, gemäß dem Reglement für die interkantonale Prüfung von Osteopathinnen und Osteopathen in der Schweiz. Der Inhalt der Prüfung richtet sich nach dem Fächer- und Lernzielkatalog für die interkantonale Prüfung für Osteopathinnen und Osteopathen. Die aktuellen Informationen findet man auf der Seite GDK - Schweizerische Konferenz der kantonalen Gesundheitsdirektorinnen und -direktoren unter Themen » Bildung » Osteopathie .

Bei diesem "Interkantonalen Diplom" handelt es sich nicht um einen Fachhochschultitel oder gar um einen universitären Abschluß nach deutschem Rechtsverständnis, sondern um eine bestandene Prüfung ähnlich der deutschen staatlichen Überprüfung der Heilpraktiker. In der Schweiz nennt man diese Art der Zertifizierung "Diplom". Dieses "Diplom" hat nichts mit einem deutschen Hochschultitel gemeinsam und darf deshalb in Deutschland auch nicht geführt werden.

Einige Kantone haben den Osteopathen die Manipulationen mittels Impuls (Einrenken) in einer kantonalen Gesundheits - Verordnung ausdrücklich untersagt. Diese Behandlung mit Impuls ist dort nur dem Chiropraktiker erlaubt, der zur Zulassung die universitäre Ausbildung und Zulassung als Arzt voraussetzt. Bitte informieren Sie sich über die jeweiligen Regelungen in den einzelnen Kantonen der Schweiz.

Professionelle Osteopathie

Meine Methoden werden angewandt nach individueller Untersuchung gemäß dem wissenschaftlich medizinischen Standard und ausschließlich bei funktionellen Beschwerden. Ich informiere vorab über Nichtanwendbarkeit, Nebenwirkung und Risiken meiner Verfahren. Sie werden bei Kontraindikation nicht angewandt. Bei Verdacht auf organische Erkrankung würde ich Sie umgehend an einen Facharzt verweisen für die notwendige medizinische Abklärung gemäß aktueller AWMF Leitlinien der medizinischen Fachgesellschaften.

Osteopathie Praxis im Klinikum Karlsruhe
für Erwachsene Kinder Säuglinge Babys
Klaus Czepan
Heilpraktiker mit Ausbildung Osteopath
Moltkestr. 90     76133 Karlsruhe
Tel. 0721 974 2234

Hinweis: Ein "Osteopath" ist kein Beruf im Gesundheitswesen, sondern eine Weiterbildung. Deshalb sind im Gesundheitswesen folgende Berufsbezeichnungen unlauterer Wettbewerb: Osteopathen, Osteopath oder Osteopathin, auch Osteopath Karlsruhe, Osteopathen Karlsruhe, Kinderosteopath und Kinderosteopathin, sowie berufliche Gleichstellungen mit "und", wie Arzt und Osteopath, Heilpraktiker und Osteopath.

Hinweis: Osteopathie ist kein wissenschaftlich anerkannt therapeutisches Verfahren. Aufgrund der wechselvollen Geschichte existiert keine verbindliche Definition, was Osteopathie oder Kinderosteopathie genau sind. Ich praktiziere die professionelle, rational vernünftige Richtung der Osteopathie. Durch eine Behandlung kommt kein Behandlungsvertrag mit der Städt. Klinikum Karlsruhe gGmbH zustande.

Laut Urteil Az. 14 O 49/14 KfH III des Landgerichts (LG) Karlsruhe vom 14.11.2014 gibt es keine wissenschaftlich abgesicherten Indikationen für manuelle osteopathische Behandlung zur Erkennung, Beseitigung oder Linderung von Krankheiten, Leiden, Körperschäden oder krankhaften Beschwerden.

Es gibt auch keine Anwendungsempfehlungen für Osteopathie in bestimmten Lebensphasen, wie: Osteopathie sei gut in der Schwangerschaft, gut für Kinder und Babys, da eine dauerhaft positive Auswirkung nicht belegt ist. Derartige Werbung ist ein Verstoß gegen § 3 Abs. 1 Ziff. 2 HWG Heilmittelwerbegesetz durch die Abgabe falscher Wirkungsversprechen.

© Copyright und Urheberrecht Klaus Czepan
Begriffe finden Sie erklärt auf der Seite Lexikon